Freitag, 19. Juli 2013

Von Kapstadt durch Namibia

In 40 Tagen von Kapstadt (Südafrika) bis Nairobi (Kenia) ist der Plan und um alles in der Zeit zu schaffen schließ ich mich einer Gruppe an, die von 2 Südafrikanern angeführt wird. Wendy und Chris spielen für uns den Fahrer, Koch und Reiseführer und bringen uns so auch über jede Grenze – hoffentlich ohne Zwischenfälle.


Mit unserem Overland-Truck Nyathi (Africaans: Büffel) bringt uns Chris sehr sicher von A nach B…doch nennt man sein Gefährt „Bus“ wird man schnell mit einer Bierstrafe verurteilt :) Doch wer zum Teufel sitzt schon mit 22 anderen Leuten in einem Truck, es ist mehr wie Klassenfahrtfeeling und die waren für mich immer in einem Bus! Der einzige Unterschied zu damals sind wohl die Altersdifferenzen.  Alex ist mit seinen 65 Jahren 3fach so alt wie unsere Youngster aus Schottland die gerade mal 20 sind. So findet sich wohl der Durchschnitt bei um die 30 und keinem wird langweilig, da jeder mit seiner ganz speziellen Art die Runde zum Lachen bringt.
Nach 2 Tagen Südafrika in denen wir von Kapstadt bis zum Orange River (dem größten Fluss Afrikas und natürliche Grenze zu Namibia) gefahren sind, hat man sich allmählich ans morgendliche Zeltabbauen, Anstehen zum Frühstücken und ruckelige Truckfahren gewöhnt. Jeder Tag ist mit Aktivitäten gefüllt, sodass uns nie langweilig wird…Weinverkostung, Baden im kalten Fluss oder einfach unsere täglichen Aufgaben, da jeder in eine Gruppe eingeteilt ist. Einen Tag ist man verantwortlich fürs Packen der Stühle und Zelte, am nächsten muss man für Eis in der Gefriertruhe sorgen, beim Schnippeln vom Gemüse oder anderen Küchenarbeiten helfen oder den Truck putzen. Der beste Tag ist jedoch der „Day off“…man kann den anderen gemütlich zuschauen wie sie ihre Tätigkeiten verrichten.

Am 3. Tag stand der erste Grenzübertritt an. Mit einem breiten Lächeln und einer kleinen Einweisung von Wendy, wie man am schnellsten seinen Stempel bekommt ging es ratzfatz von einer zur anderen Seite und schon waren wir in Namibia.

Das Land voller Sand, ewiglangen Graslandschaften, Hitze und deutschem Flair. Als ehemalige Kolonie von Deutschland ist noch ziemlich viel in meiner Muttersprache erhalten. Straßenschilder, Hotels und selbst die Einheimischen haben deutsche Namen. Und geht man  dann erst einmal in einen Supermarkt fühlt man sich glatt wie zu Haus, denn es sind die gleichen Produkte die wir kennen, nur kleben sie einen kleinen Aufkleber drauf mit der englischen Übersetzung! :)

In Namibia angekommen führte uns unsere Reise zuerst an den Fish River Canyon um bei einem gigantischen Sonnenuntergang unser Abendessen zu genießen. Der Canyon ist der 2.größte weltweit…aber wer prüft das schon wirklich? Die Tage drauf ging es dann endlich los mit Safari. In der Namib Wüste konnten wir die ersten Giraffen, Oryxe, Springböcke und Kudus erspähen meist umrandet von einer Menge Sand…einer großen Menge! Doch wir können uns so langsam daran gewöhnen das alles trocken und staubig ist. Mit der Zeit findet man sich mit dreckigen Klamotten und Füßen ab und kümmert sich mehr darum, dass der Wasservorrat und Alkoholspeicher auch gut gefüllt ist.

Aber zurück zu den Tieren! Wir sehen eine Menge und zwischenzeitlich bricht ein kleiner Suchwettstreit aus…vor allem zwischen mir und Ritesh, der den weiten Weg aus Fidschi in unsere Gruppe gefunden hat. Kaum finden wir eine ziemlich seltene Fuchsart am Rand sitzen, verjagt sie Marleen schon mit ihrem wilden Freudenschrei…doch so kennen wir sie! Der kleine Wirbelwind aus den Niederlanden teilt ein Zelt mit mir und ist eigentlich nie ruhig zu stellen. Ein Wunder das ich es noch mit ihr aushalte :) (Reisen gibt mir eindeutig ne Menge Gelassenheit!)

Leider musste ich mich nach den kurzen 4 Tagen von Ritesh schon verabschieden, da ein familiärer Notfall seine Tour beenden ließ…schade, doch ich bin mir sicher dass ich den eindeutig besten Passagier des Nyathi noch einmal wieder treffen werde! Danke Ritz für die vielen Lach-und Sachgeschichten. SHAME you left, it was LOVELY…we MUST do it again! :)

Für die restlichen 20 und mich ging es weiter Richtung Norden…weiter in die Wüste und zu allererst zur wohlbekanntesten Düne der Dune 45. An diesem Morgen war auch irgendwas seltsam…alle saßen im Bus außer unsere Guides die noch immer in ihrem Zelt schlummerten. Niemand hat wirklich mit der Kälte in Afrika gerechnet und so konnte es keiner länger als 5 Uhr im Zelt aushalten und flüchtete lieber in den Truck (der auch ohne Heizung war).

Am Fuße der Düne sah noch alles einfach aus, doch ein knapp 15minütiger Aufstieg ließ sich später in den Beinen merken. Der uns versprochene Sonnenaufgang blieb uns leider auch verwehrt, da der Nebel uns einen Strich durch die Rechnung machte :( Um uns dann wenigstens den mühsamen abstieg zu ersparen, kullerten/rollten/rannten/stürzten wir uns die 180m hohe Düne herunter. Sand überall – auch noch Tage später!

Doch das sollte nicht das einzige sandige Erlebnis bleiben. Es folgte ein Besuch der Sossusvlei, der Besichtigung der Deadvlei mit versteinerten Bäumen und noch mehr Dünen drum herum und schlussendlich der Tagesausflug zum Sandboarden in Swakopmund!

Der Tag in Swakopmund, der wohl deutschesten Stadt in Namibia stand jedem zur eigenen Verfügung. Ich nutzte die Zeit mit einer Aktivität, die ich bisher aus meiner Reise noch nicht abhaken konnte. Auf einem Brett mit ca. 75km/h eine Sanddüne kopfvoran runterschliddern. Dass das Spaß  macht könnt ihr euch bestimmt denken und das Video am Ende des Tages bewies das auch :) Verschiedene Techniken wurden ausprobiert um seine Geschwindigkeit zu verbessern und nicht alle glückten, sodass an einem Hang Lara und ich zum Stehen kamen und wohl die Lachnummer des Films wurden….was tut man nicht alles für die Lachmuskeln der anderen.

Eines meiner bisher schönsten Erlebnisse war der Besuch des Townships in Swakopmund. 2 junge Männer aus dem „Armenviertel“ führten uns durch ihre Heimat und erklärten uns deren Kultur und Bräuche.


Da es in Namibia 3 verschiedene Stämme gibt, ist das Township auch unterschiedlich aufgeteilt. Jeder hat seinen Bereich und so stoppten wir als erstes bei einer Herrera Lady die uns so manche Geheimnisse verriet. Doch nicht alle Infos sind für die Männer bestimmt, so wurden nur wir Mädels in einen extra Bereich gebeten und dann nannte sie uns ihr Alter, was sie in ihrer Kopfbedeckung versteckt und wie viele Schichten Röcke sie trägt. Weiter ging es zu einer Heilerin bei der wir mehr über alternative Medizin lernten, zwischendurch gab‘s einen kleinen Klickkurs – das sind die Laute die sie alle in ihrer Sprache verwenden und danach kleine Kuscheleinheiten mit Kindern, die total glücklich waren mit uns zu spielen und mich irgendwie nicht loslassen wollten. Die letzte Station der Township-Tour war der Besuch der örtlichen Kneipe „Back to the Moon“. Als einzige Weiße mischten wir den Laden mächtig auf. Marleen und ich ließen unsere Hüften kreisen und so staunten die Locals nicht schlecht, dass auch wir Europäer Rhythmus im Blut haben. Nach einer großen Flasche „Windhoek“ (Bier) wurden die Bewegungen von manch anderen dann auch geschmeidiger, doch ein Ruf von Wendy, dass wir schon spät dran wären riss uns aus dem Partygetümmel direkt in einem Nebenraum in dem schon eine Delikatesse auf uns wartete…Raupen, frisch gegrillt. Im Gegensatz zu allen anderen hat es mir wirklich geschmeckt und mit den Gesängen der „Swakopmund-Vocals“ war das ein durchaus feierlicher Tagesabschluss des „wirklichen“ Lebens hier!

Eine Pause ist auf der Tour irgendwie nie wirklich vorgesehen…ständig folgen stundenlange Fahrten im Truck in denen man nicht wirklich schlafen kann. Entweder ist die Piste zu holprig oder die Tiervielfalt draußen zu groß um wegzuschauen. Springböcke werden jedoch nicht mehr beachtet, da es diese wie Sand am Meer gibt…

Nächster Halt – Mitte Wüste! Das Camp für diese Nacht war das Haus eines alten Buschmanns, der nun seine Kultur an andere Leute weitergeben will. Sein Helfer Frans kennt das Territorium besser als seine Westentasche und entführt uns für wenige Stunden in die Welt der Buschmänner, deren Tricks zu jagen, Spuren zu lesen, Tiere zu finden und  was man sonst noch wissen sollte, wenn man in der Wüste überleben will! Warum ist also der Sand rot und nicht weiß? Warum ist ein Kompass nutzlos? Wie verhält man sich wenn eine Hyäne vor einem steht? Und aus welcher Pflanze bekomme ich Wasser wenn doch alles so trocken scheint?

Nachdem all diese Wissenslücken gefüllt wurden ging es durch zum Etosha National Park. Und uns wurde nicht zu viel versprochen. Aufgrund der Trockenheit der letzten Tage finden sich alle Tiere immer an den Wasserlöchern ein und so konnten wir nicht einmal 5 Minuten nach Betreten des Parks Giraffen, Oryxe, Springböcke und Gnus an einem Fleck sehen. Auch auf der weiteren Fahrt begegneten uns Elefanten, noch mehr Giraffen und am Abend in unserem Camp beobachteten wir die vom Aussterben bedrohten Blackrhinos (Breitmaulnashörner) am Tümpel.

Der nächste Tag sollte ein kompletter „Game-Drive-Day“ (Safari-Tag) sein. Und wir hatten Glück! Erst sitzen 7 Löwen vor unserem Truck, später können wir einen Honigdachs sichten, der sich sonst versteckt hält  und zur Krönung sahen wir auch noch einen Leoparden im Baum rumliegen…nicht jeder hat die Chance schon in 2 Tagen 4 der „Big 5“ zu sehen… nun fehlt mir nur noch der Büffel aber der erwartet uns definitiv in Botswana!

Neben all der Tiervielfalt gab es zur Abwechslung immer mal wieder Kulturprogramm, um vom Leben der Damara zu lernen, Felsritzungen zu bestaunen oder einfach nur die gute einheimische Küche auszuprobieren.

Einen letzten Naturstopp gab‘s dann im Waterberg Plateau mit der Besteigung des Berges. Zu allem Übel verträgt mein Körper jedoch die Malariatabletten nicht allzu gut und ich verbringe die meiste Zeit mit Warten auf Besserung. So genieße ich es dann vollkommen, dass wir in Windhoek, der Hauptstadt Namibias ein 4*Hotel beziehen und trinke für alle die mich gebeten haben ein kühles Bierchen auf deren Wohl in Joe’s Beerhouse :)

Doch nun würd ich einfach mal sagen…Bilder sagen mehr als 1000 Worte. Und glaubt mir ich habe mehr als 1000 Bilder für euch auf Lager :)

Samstag, 6. Juli 2013

Garden Route - Kapstadt


Ein weiterer Abschnitt ist geschafft. Ich hab es pünktlich von Johannesburg bis nach Kapstadt geschafft, genau rechtzeitig um morgen meine Tour bis hoch nach Kenia zu starten.
Doch bis dahin war es ein langer Weg der durch den schlechten öffentlichen Verkehr nicht wirklich vereinfacht wurde.

Nach einer langen Busfahrt von Durban an das Surfer Paradies Jeffreys Bay gönnte ich mir etwas Ruhe. Und nicht um sonst wird der Abschnitt zwischen Port Elizabeth und Kapstadt die Garden Route genannt, denn schlagartig wird es ziemlich grün, viele kleine Orte ziehen sich einige Kilometer an weißen Sandstränden entlang und ich fühle mich nun auch sicherer, da die Gegend etwas der Ostküste von Australien gleicht.
Vielleicht erscheint es mir aber auch nur so, da J-Bay es mir auch leicht macht länger zu bleiben. Für nur 100 Rand (ca. 7 €) hab ich mein eignes Apartment, da momentan Nebensaison und so das Hostel fast leer ist. Die Tage werden damit zu gebracht am Strand die gutaussehenden Surfer zu beobachten die die angeblich besten Wellen der Welt reiten. Bei ca. 28°C fühlt es sich auch nicht wirklich wie ein Wintertag an :) und man vergisst schnell die Zeit in der man sich eigentlich kümmern müsste weiter zu kommen Richtung Kapstadt.
Dann denkt man, man ist abends allein und hat mal Freiraum für etwas „Bürokram“ doch schon wird man von 4 netten Surfern zu einem „Braai“ (BBQ) eingeladen. Arri, Shaun, Paul und Tyron verbringen einen Männer-Surf-Urlaub und haben mehr als genug Fleisch auf dem Grill liegen. Da helf ich doch gern beim Vernichten…auch zu den Mixgetränken kann man schlecht nein  sagen, wenn sie erst einmal vor einem stehen :)


Wiedermal ohne Plan ging es in den nächsten Tag, doch eine Lösung für mein Transportproblem musste her. Nach all dem hin und her und dem schlechten Öffentlichen Verkehr entschied ich mich kurzerhand ein Auto zu mieten. Unkompliziert wie Brötchenkaufen stand mein kleiner weißer Hyundai dann auch schon vor der Hosteltür. Leider gab es keine anderen Mitfahrer sodass ich meine erste Strecke bis Wilderness allein vor mir hatte. Ist aber auch nicht allzu schlecht, man kann anhalten wo man will und niemand meckert über die schlechte Fahrweise. Die wurde auch das ein oder andere Mal bewiesen, vor allem wenn aus dem Nichts auf einmal Affen auf der Autobahn saßen…was machen die auch bitte da?!?

Die 3 Stunden Fahrt vergingen jedoch wie im Flug, da die Aussicht auf die Garden Route aber auch einen immer wieder erstaunen lässt. Nach einem kurzen Stopp in Knysna ging es direkt nach Wilderness. Doch irgendwie scheint jedes Hostel wie ausgestorben zu sein…ein letzter Versuch Leute für meinen Roadtrip zu gewinnen, führte mich hoch auf einen Berg zur „Wild Farm“. Wenigstens einige Leute traf ich an, wobei die Hälfte deren Hippies und Aussteiger waren, die wohl schon mehr als ein Jahr keinen Kamm mehr gesehen haben. Zwischendrin eine junge Schweizerin die, wie es der Zufall will, auch am Wochenende in Kapstadt sein muss. Meine Überredungskünste wirkten und ich bin für die restliche Zeit in Südafrika nicht mehr allein…perfekt!

Bevor es mit Natascha auf die Straße ging erkundeten wir am Morgen Wilderness. Zuerst zur „Map of Africa“ – einer Natur/Waldformation die dem Kontinent ähnelt und sogar von 2 verschiedenen Flüssen umrahmt wird, so wie sonst auch die 2 Meere, die aufeinander treffen.  Weiter mit noch einem Israeli im Schlepptau zum ältesten Baum der Gegend und danach auf eine kleine Wanderung in ein einsames Tal.

Mein ständiger Begleiter im Auto ist nun neben Natascha eine Packung Biltong. Super als Snack zwischendurch! Und unsere Fahrt zum nächsten Ziel ist auch ganz und gar nicht langweilig. Schnell haben wir ein nettes Nachmittagsprogramm gefunden – eine Straußenfarm. Neben einer Führung, vielen super Infos rund um den großen, nichtfliegenden Vogel und dem Unterschied zwischen Einem Ema und dem Straußenvogel, konnten wir auch austesten, wie man sich mit den Tieren fortbewegt.
Einmal aufspringen, auf dem hinteren Part Platz nehmen, die Beine um den Körper schlingen und die Flügel greifen. Los geht’s…und das ziemlich schnell. Dieser Punkt kann nun auch von meiner Liste gestrichen werden :) Doch um das Straußenpaket zu vollenden, musste unser Abendessen einfach Straußensteak sein. Ein Gaumenschmaus der dann noch mit dem einheimischen Schnaps gekrönt wurde. Springbok – Pfefferminzschnaps gemixt mit Amarula (ähnlich wie Baileys).

Am nächsten Tag ging die Kulturtour weiter zu den Cango Caves. Unterirdische Höhlen die vor einigen hundert Jahren entdeckt wurden und man nun auf verschiedene Weise besichtigen kann. Wir entschieden uns für die Adventuretour und um auch noch Geld zu sparen schlossen wir uns einer Schulklasse an, die die Führung in „Africaans“ erhielt. Erstaunlicherweise verstehe ich ziemlich viel von dieser Sprache, da es etwas klingt wie einige meiner Freunde wenn sie zu viel Geld an der Bar gelassen haben! :)
Anfangs waren die „Räume“ auch noch riesig und einige Stalagmiten und Stalagtiten  ähnelten Tieren, Gebäuden oder dem Teufel. Doch je weiter wie in die unterirdischen Gänge gerieten, desto enger wurde es. Bis wir schließlich kriechend uns durch Felsspalte gequetscht haben. Eindeutig nichts für Leute mit Platzangst oder Übergewicht!

Nachdem wir uns rausgekämpft hatten, zurück ans Tageslicht, ging die Fahrt weiter mit dem kleinen Flitzer entlang der Route 62. Serpentinen hoch und wieder runter, vorbei an Schildern die auf Landschildkröten hinweisen, kaum Verkehr und alles eingerahmt in wunderbarer Natur. Da macht man doch dann auch prompt mal einen Stopp, als nach Stundenlangem nichts „Ronnies Sex Shop“ zu lesen war. Der wohl bekannteste Pub entlang der R62, der seit 1997 existiert. Und auch Ronnie findet man darin, der auf die Frage nach dem Name nur antwortet: „It was just a joke“. Doch der Plan geht auf. Jeder hält an und möchte wissen was es mit dem Sexshop auf sich hat. Eines ist sicher, es waren eindeutig am meisten Deutsche dort, denn den BHs und Schlüpfern zu Folge sind diese dann auch die Freizügigsten. Jeder lässt ein kleines Souvenir zurück und dekoriert somit den Barraum.
Wir lassen uns eine heiße Schokolade schmecken und machen uns weiter auf den Weg nach Kapstadt. Ein Stück ist es noch und es lässt sich auch gut fahren…bis wir in einen Stau geraten. Blöd nur, wenn der Sprit fast leer ist und man nur im Schneckentempo vorankommt. Nun wird es auch noch dunkel und nach dem ersten Unfall folgt der zweite vor uns. Wir haben einfach kein Glück und verbringen die Wartezeit mit Flehen, dass wir die nächste Tankstelle ohne Probleme erreichen. Es hilft…mit dem letzten Tröpfchen rollen wir zur Raststätte und können kurze Zeit später auch ins nächtliche Kapstadt einfahren. Gut, dass wir schon bei Rudolf einen Schlafplatz sicher hatten und somit relaxt am nächsten Morgen uns ins Getümmel der Großstadt stürzen konnten.

Endlich kam es auch zu dem langersehnten Wiedersehen mit Stephen, meinem Reisepartner von Südamerika. Der Kapstadter hat sich sichtlich verändert, kurze Haare, ohne Bart und die Backpackerkleidung wanderte wahrscheinlich auch in den Müll.
Und Kontakte machen sich mal wieder bezahlt. Steve ermöglicht es Natascha und mir bei seiner Mutter umsonst für ein paar Tage unterzukommen. Maria hat das Muttergen einfach in sich und so werden wir komplett verpflegt unsere Wäsche gewaschen und die Abende mit spannenden Geschichten gefüllt. Tagesüber spielt Steve den Guide und zeigt uns am Boulders Beach die Pinguine, fährt mit uns entlang der Küste von Muizenberg bis Simonstown und besteigt mit uns die Haupttouristenattraktion den Tafelberg.
Doch das ist eine separate Geschichte. Geplant war ein gemütlicher Aufstieg zum Berg entlang der einfachen Strecke. Durch unerklärliche Gründe kamen wir jedoch etwas vom Weg ab und fanden uns kurze Zeit später planlos an einem Hang ohne vor oder zurück. In der Ferne erkannten wir wieder einen Weg also versuchten wir uns dorthin vorzukämpfen…es stellte sich jedoch heraus, dass das nur die Wege zu den Hochstromleitungen waren. Erneut eine Sackgasse. Schon fast am Umkehren hörte wir ein Mädel rufen, sie suchte nach ihrer Sonnenbrille und erklärte uns auch sofort das es einen Weg gäbe der jedoch nicht der einfachste ist. Ihr Freund und sie gehen also vorne Weg und schon kam das erste Hindernis. Ein Felsvorsprung von mehr als 10m. Die einzige Möglichkeit weiter zu kommen war eine Stahlkette an der man sich hochziehen musste – ohne weitere Absicherung! Weiter ging es über Stock und Stein, große Steine. Das nächste Hindernis war ich selbst…mit Jeans und Turnschuhe ließe sich der normale Weg ohne Klacks bewältigen, durch das war eine Stufe zu viel. Nach einiger Zeit ließ dann die Kraft auch nach und meine Beine hörten nicht mehr auf zu zittern.

Schlecht nur wenn man dann schon vor der nächsten Stahlkette steht die dieses Mal zwar nur 4m  war, jedoch in einer engen Felsspalte hing. Die Gewichtszunahme hatte nun das erste Mal ihren Vorteil. Wenn man erst einmal feststeckt, kann man nicht so schnell so tief fallen :) Von dort an ging es einfacher aber ein Ende war lange nicht in Sicht. Nach knapp 3h sahen wir ein Schild in unsere Richtung zeigen „This is not an easy way down“ – ja, das wussten wir dann auch. Stolz aber mehr als geschafft genossen wir endlich den weiten Blick über die riesige Stadt.
Alle Mühen haben sich gelohnt, doch wer hoch geht muss auch den Weg wieder nach unten finden. Die Touri-Seilbahn war uns zu teuer also weiter per Fuß, zwar nun den einfacheren Weg doch auch der ist nicht ohne. Egal…geschafft und wieder um einige Erlebnisse reicher!

Damit dann auch die größten Anlaufpunkte von Kapstadt abgehandelt sind, ging es am letzten Tag noch einmal zur Waterfront. Hier empfing mich Alex, mit dem ich schon Johannesburg unsicher gemacht hatte. Er zeigte uns beiden Mädels ein bisschen die schöne Hafengegend und führte uns danach entlang des Meeres in Green Point zu einem Pancake-Stand…ohhh wie ich es liebe :)
Danke hiermit an all die lieben Südafrikaner die ich unterwegs getroffen habe, vor allem ffür die Gastfreundlichkeit! Ihr bleibt mir in guter Erinnerung…

Nun bin ich schon einige Tage auf meiner Tour hoch Richtung Kenia.  Ich bin begeistert - Afrika hat eine Menge zu bieten!
Weitere Berichte können sich verspäten – die Internetverfügbarkeit ist begrenzt…und das ist auch mal gut so :)

Samstag, 29. Juni 2013

Alles Gute Mutti!

Die besten Geburtstagsglückwünsche an die beste Mama der Welt vom Tafelberg in Kapstadt!

Montag, 24. Juni 2013

Südafrika: Johannesburg – Drakensberg – Durban

Wieder liegt eine Woche voller Erlebnisse und neuer Eindrücke hinter mir. Ich hab es geschafft – angekommen im letzten Kontinent meiner Reise.

Alles startete mit der Hauptattraktion (laut Tripadvisor) von Johannesburg, dem Gautrain. Mit dem Zug, den es seit der WM 2010 gibt gelangt man schnell und super sicher in der größten Stadt Südafrikas.

Um auch gleich direkt mit der Kultur und den Einheimischen vertraut zu werden, machte ich einen Bogen um die Hostels und nistete mich bei einem Couchsurfer ein. Alex ist ein hervorragender Gastgeber und hat mir nach einem kleinen Mittagsschlaf und der bitter nötigen Dusche sofort die Stadt gezeigt. So ging es zum „Neibourgoods Market“ wo wir neben Speisen aus aller Welt auch Lokales vorgefunden haben. Mein Favorit ist eindeutig Biltong - getrocknetes Fleisch meistens mit spezieller Würze! Nach einem Kaffee und ein paar Drinks ging es auf eine kleine Stadtrundfahrt und später in den Supermarkt. Samstagabend – Braai war angesagt. Ihr fragt euch bestimmt was es ist…ich musste auch mehrfach nachfragen was er genau meint, denn Braai ist eigentlich nichts anderes als ein Barbecue, nur verwenden das man das Wort hier nicht, schließlich haben sie ihre eigenen Ausdrücke. Mit den Einkäufen ging es dann auch schon in eine sehr gut aussehnende Gegend. Wiedermal ist alles wie im Hochsicherheitstrakt. Überall Mauern, Stacheldrahtzähne und ohne Anmeldung beim Pförtner kommt man eh nirgendwo rein – fast wie im Gefängnis. Doch nur so fühlen sich die Leute wirklich sicher. Johannesburg ist für seine Kriminalität bekannt, da es rundherum viele Townships (Armenviertel) gibt. Doch in den Tagen die ich dort verbracht habe, habe ich mich nie unsicher oder von Schwarzen bedrängt gefühlt.

So zurück zum Braai. Stefan, ein Deutscher hat eingeladen. Er arbeitet hier und hat einige seiner Freunde auf einen netten Grillabend eingeladen. In einer sehr lustigen Runde wurden mir so schon am ersten Abend alle wichtigen Infos und Tipps zugetragen. Die Mädels lernten mir wie man Pap zubereitet – eine Pampe aus Maismehl, was Chakalaka ist und wie man seine Hüften fachgerecht zur Musik kreisen lässt. Ein komplett gelungener Abend mit ner Menge neuen Freunden :)

Auch die weiteren Tage in Joburg wurden sehr relaxt angegangen. Die Stadt bestimmt ein ziemlich junges Flair…viele Hippster, überall Rooftop-Bars und nette kleine Cafés. So lässt es sich leben. Wiedermal kommt man mit ner Menge Leute aus aller Welt ins Gespräch und alle sind überrascht was ein so zierliches Mädel wie ich allein draußen in der Welt macht…tja – Spaß haben :)

Doch der Zeitdruck hängt ein bisschen im Nacken und so zieht es mich mit einem Bus (die wenigen öffentlichen Verkehrsmittel die es hier gibt!) weiter zu den Drakensbergen. Warum?!?! Ja, da gibt’s so eine Geschichte. Bei meiner Reise durch Thailand habe ich in Railay Beach einen Südafrikaner getroffen. Mitten im Getümmel zwischen Ladyboys und Cocktails fängt er an mit mir Deutsch zu reden…Rainer ist „deutsch“ aufgewachsen, da ein Teil seiner Familie dort herstammt. Sofort wurden damals Kontakte ausgetauscht und siehe da, sie sind ziemlich nützlich :) Da ich leider so gut wie gar nichts über die Gegend und sein Leben wusste, ließ ich mich einfach überraschen.

Die Tage in den Bergen waren einmalig. Mitten in einem Urlaubsgebiet wohnt er auf einem riesigen Grundstück zusammen mit einigen anderen jungen Leuten aus England. Alles Ärzte die im nahegelegenen Krankenhaus täglich unter einfachsten Bedingungen ihr Bestes geben.

Zwar ist momentan Winter hier in Südafrika und nicht alles ist grün sondern gerade hier in der Gegend ist alles verdorrt und ausgetrocknet, doch trotzdem ist ein Ausflug in die Drakensberge allemal wert!


Ein besonderes Erlebnis verschaffte mir Toni, die Mitbewohnerin von Rainer. Sie nahm mich und ihren Bruder mit zu einem Geparden-Aufzucht-Projekt einige Kilometer entfernt. Dort konnten wir 2-3Stunden mit den riesigen Katzen spielen und mehr über die aussterbende Art erfahren. Auch einen Leopard und viele andere „Katzen“ leben in dem Park. Man kommt einigen Geparden ziemlich nahe, da sie mit der Flasche aufgezogen wurden. So saugen sie auch gern an meinem Daumen ohne mich zu beißen…komisches Gefühl.

Für ein anderes besonderes Erlebnis sorgte Rainer. An meinem letzten Tag in den Bergen bot er mir an einen Tag das Krankenhaus zu sehen und etwas mitzuhelfen. Wann hat mal schon mal die Chance, das richtige Afrika so nah zu sehen und mehr über die Menschen zu lernen als nur Touristenattraktionen zu folgen?

Und so war es dann auch, ein Tag der einem zum Nachdenken brachte. Das von 2 Deutschen gestiftete Hospital Emmaus ist eigentlich mit dem nötigstem ausgestattet doch nicht mit den deutschen Standards zu vergleichen. Desinfektion, Betäubung, entsprechende Geräte!?!? Eher Mangelware. Dazu kommt noch das Sprachproblem. Der Großteil der Patienten spricht kein Englisch sondern Zulu oder eine andere Stammessprache. So gibt es ständig eine Schwester die übersetzt. Leider sind diese Schwestern nicht gerade die Motiviertesten…und gehen auch einfach mal aus dem Raum ohne wiederzukommen. Da muss man als Arzt schon einige Geduld aufbringen. Was dann auch alles für Fälle in der Notaufnahme eintreffen. Männer die sich die Finger abgesägt haben und nach der Amputation den Finger nach Hause nehmen wollen, Frauen mit seltsamen Geschwülsten, eine 80Jährige mit sämtlichen Beschwerden die aber stark auf eine Röntgenaufnahme beharrt…und immer heißt die erste Frage: HIV positiv oder negativ?

Die zweite Hälfte meines Tages verbringe ich dann auf der Kinderstation. Von 3 Wochen bis 12Jahren ist alles vertreten. Und selbst die Kleinsten haben schon einen wuscheligen Afro :) sehr cool! Doch auch hier sind die Auswirkungen von HIV erkennbar. Ich versuche mein Bestes und unterhalte die Kleinen für mehrere Stunden mit Malen und Basteln. Einigen genügt es schon einfach mal zu kuscheln und umarmt zu werden. So ist mein Schoß nie leer und es wird sich immer schnell um den besten Platz gestritten.
Den Tag werd ich so schnell nicht vergessen, danke Rainer, dass du mir das ermöglicht hast!

Meine Reise geht nun weiter Richtung Süden. Die anderen Mitbewohner Louisa und Shane gehen übers Wochenende ans Meer und so schließ ich mich kurzerhand an, wer schlägt schon eine kostenlose Fahrt aus?!
Der eigentliche Grund, warum ich mich aber angeschlossen hab, war der am nächsten Morgen folgende Tauchgang. Endlich ging es für mich einmal wieder unter Wasser.

Bei etwas erfrischenden 21°C Wassertemperatur starteten wir schon um 6Uhr in den Tag und hatten am Vormittag 2 Tauchgänge.
Aliwal Shoar zählt zu einem der besten Tauchspots der Welt und das wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Und die Erwartungen wurden erfüllt. So haben wir nach einer ziemlich wilden 20minütigen Bootsfahrt einige Haie unter Wasser sehen können und später noch ein Wrack bei knapp 28m Tauchtiefe. Zwar bin ich noch ziemlich neu im Scuba-Diving-Business doch schlage ich mich bisher recht gut und kann meist länger als alle anderen unter Wasser bleiben. Lousia an meiner Seite als Tauch-Buddy passte da perfekt da wir beide ziemlich lang mit unserer Luft auskamen.
Doch Tauchen strengt auch an und so freut man sich danach auf ein gutes Mittag und eine heiße Dusche. Leider auch mal wieder ein Abschied von liebgewonnenen Menschen…

Mal wieder weiß ich nicht wie’s weiter gehen soll, da man in Südafrika ohne Auto mehr als aufgeschmissen ist. Öffentlicher Verkehr – Fehlanzeige! Dann gibt es noch den Bazbus, extra für Backpacker, der aber nur 3mal die Woche fährt und dann zu unmöglichen Zeiten. Gott sei Dank bin ich erfinderisch und auch eh ohne Plan, also wurde alles kurzfristig umgeschmissen und der Tauchkollege nimmt mich kurzerhand zurück mit nach Durban (eigentlich die verkehrte Richtung).

Am Busbahnhof gibt es dann leider auch nur schlechte Nachrichten, da alle Busse ausgebucht sind. Na toll, das heißt wohl eine Nacht im schäbigem Hotel gegenüber und am nächsten Tag den ersten erwischen. Doch es bleibt es Fünkchen Hoffnung. Vielleicht hat ja jemand gebucht, aber löst seinen Fahrschein nicht ein. So warte ich hoffnungsvoll in der Ecke des Busterminals. Als alle im Bus verschwinden, komm ich erneut mit meinen Sitzplatzwünschen. Und sie kennen mich bereits schon…. :) Endlich! Jetzt geht es ganz schnell, eine Art Ticket wird ausgestellt, ich muss nun auch nur die Hälfte zahlen und drin bin ich.

So ist es dann auch, wenn man nicht die typisches Party-Backpacker-Route einschlägt. Also sitze ich als einzige Weiße in einem vollgepacktem Greyhound-Bus und verbringe mal wieder eine schlaflose Nacht, denn vom Komfort der Busse in Südamerika können sich die Afrikaner noch etwas abschauen.

Nun gilt es nur noch entlang der Garden Route nach Kapstadt zu finden…

Montag, 17. Juni 2013

Buenos Aires Teil 2

Die letzte Woche in Südamerika verging schneller als gedacht.

Zurück in Buenos Aires buchten wir uns ins Partyhostel Milhouse direkt in der Innenstadt ein. Carina und ich wollten einfach etwas zentraler sein um ausgiebig die letzten Tage zu genießen. Glücklicherweise hatten wir ein 4 Bettzimmer einige Tage für uns allein. Die anderen Tage kamen Freunde von Carina vorbei, mit denen sie einen Teil ihrer Reise im nördlichen Südamerika verbracht hatte. Mal wieder Deutsche :) und die Australierin Nat. Natürlich mussten auch die das Nachtleben von Buenos Aires erleben, sodass es erneut einige Nächte auf Partytour ging.

Die Hostels erleichtern einem die ungewöhnlichen „Weggeh-Zeiten“ von Argentinien, da man hier schon am früheren Abend das feiern beginnen kann. Täglich gibt es Happy Hours, Free-Shots und immer wieder neue Leute denen man die gleichen Geschichten erzählt.
Das ist wohl der Nachteil an einer solch langen Reise – ständig die gleichen Fragen und die überraschten Gesichter auf die Frage wie wo man denn schon überall war. „What‘s your name?, Where are you from?, How long are you traveling for? Where have you been so far? Und die beste Frage… What’s the best place you’ve seen so far?” Also mal ehrlich, wer kann nach neun Monaten schon EINEN Platz nennen der am besten war? Und wie bitte vergleicht man New York mit einer Rinderfarm in Australien im Nirgendwo?  Aber nett wie ich bin, beantworte ich gern immer wieder das Gleiche und gebe Tipps wo man unbedingt hinsollte und wie man am besten durch welches Land reist. Denn eins ist sicher…alle Backpacker gehören einem großen Netzwerk an und geben einem die kleinen geheimen Hinweise für jedes Land. Nur mit einem Reiseführer durch die Welt zu touren wäre langweilig und man würde wahrscheinlich so manches verpassen! Also immer her mit den Fragen :)
Eine Regel gibt es jedoch noch – jeder sollte ein Land auf seine Weise erleben und seinem Gespür nachgehen, jeder hat andere Ziele und Vorstellungen.


So zurück zum Feiern. Die Argentinier lieben es den Tag spät zu beginnen. Ein Club öffnet gewöhnlich nie vor 2 Uhr und selbst dann ist man einer der Ersten. Um etwas Geld zu sparen geht man lieber jedoch genau um diese Zeit, denn Mädels kommen meist so umsonst rein. Gegen 3Uhr sind die Tanzflächen dann aber auch gefüllt und es wird bis zum Sonnenaufgang gefeiert. So haben wir Mädels einen Abend/Morgen im Terrazas, einem bekannten Club am Hafen verbracht.  Verschiedene Musikrichtungen auf mehreren Ebenen, genügend Bier und Mixgetränke und massig Leute – einige die man auch schon aus dem Hostel kennt, da diese meisten überteuerten Fahrservice anbieten.
Doch ums nun mal klarzustellen – Argentinien hat nicht die schönsten Männer! Verzweifelt haben wir versucht auch nur einen Annehmbaren zu finden. Nichts…aber auch gar niemanden findet man unter mehr als 1000 Leuten. Und die Brasilianer versteht man leider nicht :) Nun bin ich froh, dass ich mit meinem Spanisch einigermaßen auskomme, da fange ich nicht noch an portugiesisch zu lernen.

Aber auch eine Nacht ist irgendwann mal zu Ende und so geht es morgens um 7Uhr mit dem Taxi zurück – erstaunlich günstig, dafür dass man die halbe Stadt durchquert.
Wie der Morgen aussieht könnt ihr euch bestimmt denken. Die meistens verschlafen ihn einfach. Doch das gilt nicht für mich, denn wenn ich schon ein Frühstück bezahle, dann möchte ich es wohl auch gern nutzen.  Also wurde täglich der Wecker auf 9:30Uhr gestellt um pünktlich das große Buffet zu genießen. Danach hatte mich mein Bettchen jedoch für einige Stunden wieder.

Für jeden Tag haben wir dann etwas Anderes geplant gehabt.

Das Beste letzte Woche war wohl eindeutig der Fußball! Wir konnten Karten für das Länderspiel Argentinien gegen Kolumbien erwerben. Carina und ich hatten schon länger vor zu einem Spiel zu gehen, doch wird einem immer wieder abgeraten als Mädel dort allein hinzugehen. Vor allem die Heimspiele von Bocca Juniors und Riverplate haben es wohl so in sich. Nach all den Vorwarnungen buchten wir schließlich doch den Besuch über das Hostel. Nachteil an alldem ist der hohe Preis, den man hinnehmen muss. Umgerechnet für knapp 80€ wurden wir also mit einem alten orangenem Schulbus bis vors Stadion gebracht und von einem Guide begleitet. Als wir unsere Tickets in den Händen hielten staunten wir nicht schlecht – 22€ pro Karte…mhmmm das war dann wohl ne Luxusbusfahrt. Doch hier läuft der Ticketverkauf auch etwas anders. Banden kaufen alle Karten am Anfang und verkaufen sie weiter und weiter, diese Mittelmänner wollen natürlich auch etwas verdienen. Am Ende der Kette steht das Hostel die noch ihren Gewinn draufschlagen und der Tourist bezahlt. Egal. Es war es wert!!!!
3 Tore – 2 rote Karten – 1 Lionel Messi – und keine Schlägerei.  

Wir hatten dazu noch recht gute Plätze im argentinischen Fanblock, genau hinterm Tor in dem alle Tore fielen. Doch keins derer zählte, da sie alle Abseits waren :) Die größte Show begann jedoch als Messi eingewechselt wurde. Fangesänge, Jubelschreie und Fanbanner wo man nur hinsah. Die gegnerische Mannschaft wurde parallel ausgepfiffen und alle spanischen Schimpfwörter hab ich nun auch in meinem Repertoire.
Was den Mädels um mich rum wohl jedoch am meisten im Kopf bleiben wird, war eindeutig am Ende der Trikottausch :) Wie gesagt, sonst sucht man ja vergeblich in Argentinien danach!

Ein anderer Tagestrip ging nach Tigre – einem Vorort von Buenos Aires der übersetzt „Tiger“ heißt, da die Leute die damals dort lebenden Panther mit Tigern verwechselten. Carina hatte leider eine kleine Grippewelle erwischt sodass ich die 1h Zugfahrt allein antrat. Und es hatte sich gelohnt! Bei bestem Wetter schlenderte ich durch die engen Gassen und entlang der vielen Kanäle. Tigre liegt direkt einem Delta und wird von vielen Flüssen gespeist. So konnte ich auch einen Mittagssnack direkt am Wasser verbringen. Da ich bisher noch nie einen Submarino probiert hatte stand das auf dem Plan. Das „Nationalgetränk“ ist eigentlich nur heiße Milch in die ein kompletter Schokoriegel getaucht wird, sozusagen eine heiße Schokolade! Sehr lecker und bei Sonnenschein und mit Medialunas (Croissants) noch viel besser zu genießen.
                                
Leider fühlte sich Carina auch die nächsten Tage noch nicht allzu gut, sodass ich die Nachmittage allein auf Erkundungstour ging. Doch ehrlich gesagt war ich nie allein. So traf ich Pascal wieder, der damals schon mit mir in Thailand tauchen war. Er zeigte mir in Palermo das beste Steakrestaurant bevor er seine Heimreise in die Schweiz antrat. An einem anderen Tag macht ich verbrachte Belen ihre Mittagspause mit mir und an einem anderen Tag zeigte ich neuen „Zimmergenossen“ San Telmo und den Hafen auf der Suche nach speziellen Graffitis. Buenos Aires ist komplett voll davon. An jeder Ecke sind Kunstwerke zu finden – egal wo man hinschaut ist es bunt.  Um einige von euch nun nicht damit zu langweilen, gibt es in der Bildergalerie ein extra Album voll mit einigen Highlights.
Mit Favorit war das „Che“ Graffiti, das auch einige Zeit an Suche beansprucht hat. Umso einfacher war es letztendlich, da es genau neben dem schmalsten Haus der Stadt zu finden ist. Auch das ist ein kleiner Touristenmagnet, da das Haus gerade Mal 2,5m breit ist.

Mit der Zeit kam dann jedoch langsam ein Ende der Südamerika-Zeit nahe :( Noch einmal wurde das letzte Geld gezählt, wie viel man denn noch ausgeben muss. Denn ein Rücktausch des Peso wäre sehr sinnlos. Also shoppen, feiern und an Aktivitäten des Hostels teilnehmen.

Cook & Booze war eins davon. Übersetzt sowas wie Kochen und dabei betrinken :) Unsere kleine Gruppe von 11 Leuten bereitete die besten Empanadas der Welt zu und verkostete dazu sehr guten Wein.  Und schon bei der Vorstellungsrunde wurde es lustig, da ein jeder die üblichen Dinge berichten sollte + ein lustiges Erlebnis seiner letzten Tage oder Reise. Scott (Name wurde verändert) hatte eindeutig den Hauptgewinn, da er irrtümlicherweise in Thailand das Vergnügen mit einem Ladyboy hatte.  :) Das war dann auch das Hauptthema des ganzen Nachmittags und ihr könnt euch sicher vorstellen, wie sein „freierfundener“ Empanada am Ende aussah…die Form einer Frau mit einigen kleinen besonderen Details. Leider schaffte es meine Insel-Empanada so nicht ins Finale…wie soll man da auch mithalten können?

Das „Vorglühen“ mit heimischem Wein machte unseren letzten Abend in der Hauptstadt sehr angenehm. So konnten wir danach direkt in einem Steak-Restaurant mit „All-you-can-eat…and drink“ weitermachen. Die Party im Hostel und der anschließende Hiphop-Club gaben dem ganzen einen krönenden Abschluss, sodass Carina ganze 45min Schlaf hatte bis ihr Shuttlebus zum Flughafen abfuhr. Gut das mein Flieger etwas später ging und ich so sogar das erste Mal mein geliebtes Frühstück ausließ.


Danke Südamerika, vor allem an all die Leute, die mich in den 8 Wochen begleitet haben…

Donnerstag, 13. Juni 2013

Uruguay - Colonia del Sacramento

Um mal etwas vom Großstadtstress Abstand zu gewinnen legten wir einen Kurztrip nach Uruguay ein.

Und der Plan ging auf. Schon auf der Fähre haben sich Carina und ich einen kleinen Mittagsschlaf gegönnt, die 1,5h wurden also gut genutzt. Mit einem neuen Stempel im Pass ging es dann zu Fuß durch das kleine Städtchen Colonia del Sacramento auf der Suche nach einem günstigen Hostel.

Schnell wurde eins gefunden, dass auch noch übersetzt den Namen „ Der Reisende“ trägt. Trifft ja auf uns zu und da wir doch etwas beim Preis verhandeln konnten haben wir uns sofort „häuslich“ eingerichtet. Das Wohnzimmer des Hostels machte das aber auch sehr einfach. Ein Kamin, LCD Fernsehen und ein sehr gemütliches Sofa mit Decken lädt sofort zum Relaxen ein. Gut das wir auch nicht  viel mehr geplant haben und die Stadt auch nicht allzu groß ist.

Der letztere Part ist dann auch in knapp 2 Stunden abgehandelt. Einmal durch den reizenden Ort, vorbei am Leuchtturm, durchs spanisch und portugiesisch geprägte Viertel, dann noch zum Hafen und ein Stopp auf einer alten Bank um dem Rauschen des Rio de la Plata zu lauschen! Colonia ist auf jeden Fall einen Stopp wert. Gerade zu dieser Jahreszeit wenn man kaum anderen Touristen begegnet und schon alles in buntes Laub gehüllt ist. Es ist halt doch schon der Herbst hier eingekehrt und die Temperaturen sinken stetig. Doch immer noch ist ein Winter hier wärmer als mancher Sommertag in Deutschland.

Am 2. Tag gab es ja nicht mehr viel Neues zu entdecken also wurde ein paar Uruguayische Peso ausgegeben um alte Backpackerkleidung zu ersetzen. Doch ich hab natürlich auch wieder an die Lieben daheim gedacht und wie immer ein paar Postkarten richtig Heimat geschickt. Wer bisher also noch keine bekommen hat, der war entweder nicht nett zu mir oder hat mir noch nie seine Adresse hinterlassen :)
Durch die ganze Ruhe, das ständige Filmschauen und mal „Nichts“ tun hab ich sogar mein Tagebuch vernachlässigt und bin nun schon mehr als 5 Wochen zurück :) Naja vielleicht hab ich ja bald in Afrika etwas mehr Zeit und Muße!

So schnell wir nach Uruguay kamen, so schnell sind wir auch nach 2 Nächten wieder in Argentinien angekommen, nur mit einer Menge mehr Dollars im Geldbeutel ( zum Tauschen natürlich) und einem wildgestempeltem Reisepass (gut das sie nicht die freien Seiten nutzen, sondern einfach übereinander alles quetschen) :)


Dienstag, 11. Juni 2013

Buenos Aires Teil 1

Diesen Abschnitt meiner Reise nenn ich einfach mal Buenos Aires Teil 1. Denn von der Hauptstadt gibt es sicherlich noch einen zweiten Eintrag – halte mich hier etwas länger auf als anfangs gedacht.

Mit freudigen Gesichtern wurde ich nach meiner langen Busfahrt im Partyhostel Milhouse in Buenos Aires empfangen – schließlich sollte es eine letzte große Feier geben bevor Reuben nach 11monatiger Reise zurück nach Australien fliegt und Graeme und Stephen ihren 4 Monats-Südamerika-Trip gen Heimat antreten.


Nachdem ich mich also im 6-Bett-Zimmer häuslich eingerichtet hatte ging es noch kurz in die „Florida-Straße“ zum Geldwechseln und nach einem kleinen Mittagsschlaf wurde sich schon auf abends eingestimmt. Das Hostel hat jeden Tag sein Unterhaltungs-Trink-Programm, sodass einem ja nicht langweilig wird und man auch genug Geld im Hostel lässt. Unser Plan war jedoch erst einmal zum bekannten „La Bomba de Tiempo“ zu gehen. Nur kurz mit der U-Bahn ging zum Konex-Gelände auf dem mehrere Künstler mit Trommeln und anderen Schlaginstrumenten Rhythmen spielen. Alle tanzen ausgelassen, doch darf man leider seine Getränke nicht mit auf die Tanzfläche nehmen…so verbringen wir die meiste Zeit irgendwie vor der Bar, denn 1l Bier leert sich nicht allzu schnell – und der Becher ist auch fix wieder aufgefüllt :)

Da die Show erstaunlicherweise schon um 10Uhr endete, mussten wir einen neuen Plan schmieden…natürlich nicht ohne noch einmal bei einem Mc Donalds anzuhalten. Doch dann ging es schnurstracks zurück ins Hostel, dort ging die Party weiter um gegen 2Uhr in die richtige Disco zu gehen. Hier fängt alles etwas später an. Die Argentinier verlassen normalerweise nie vor 2 Uhr das Haus um Feiern zu gehen, doch für uns „Gringos“ war das fast etwas zu spät da wir unseren Pegel schon längst erreicht hatten. Den „Zappelschuppel“ haben wir also ganze 10 Minuten von innen gesehen, bevor wir uns todmüde ins Doppelstockbett haben fallen lassen.

Der nächste Morgen fiel umso schwerer, vor allem da ich um 11Uhr auschecken musste und Frühstück gibt es auch nur bis kurz nach 10Uhr. Also im Halbschlaf alles gepackt und übers leckere Frühstück hergemacht. Eines muss man dem Partyhostel lassen – das Frühstücksbuffet ist ziemlich ausreichend und lecker. Cornflakes, Obst, Milch, Brötchen, Marmelade und natürlich Dulce de Leche. Es würde mich überraschen wenn ihr es kennt, denn es ist ein Brotaufstrich, den es nur hier gibt – und die Argentinier lieben es…sozusagen die Nutella des Südamerikas. Sie hat auch ähnliche Wirkungen und macht einfach nur dick, was will man aber auch anderes erwarten bei einer Creme die aus Kondensmilch hergestellt wird.

Und nun ist die Zeit gekommen, ich muss mich von den liebgewonnenen Jungs verabschieden :( Nach ner Menge gemeinsam verbrachten Kilometern, vielen lustigen Momenten und mehreren neuen Erkenntnissen trennen sich die Wege, jedoch nicht für immer. Schon in wenigen Tagen werde ich Stephen hoffentlich in Kapstadt besuchen und auch Graeme und Reuben wollen mal durch Deutschland reisen.
Die einzige die mir erhalten bleibt ist Carina und da wir eh am gleichen Tag unseren Weiterflug haben, beschlossen wir kurzerhand die letzten Südamerika-Tage gemeinsam zu verbringen. 
Vorerst verlasse ich sie aber auch, da ich bei einer Freundes-Freundin umsonst unterkommen kann. Mein eigenes Zimmer mit Bad, eine Küche und dazu noch eine super nette Belen warten auf mich am anderen Ende von Buenos Aires.  Die zierliche Argentinierin nimmt mich für eine Woche kostenlos auf und im Gegensatz bekoche ich sie mit leckeren Eierkuchen und anderen deutschen Köstlichkeiten.


Tagsüber schlenderte ich jedoch mit Carina durch die Straßen der Großstadt da Belen arbeiten musste. Um etwas mehr über die Geschichte der Stadt zu erfahren, schlossen wir uns einer „Free-Guided-Tour“ an. Nach knapp 2,5h waren einige Wissenslücken gestopft und so konnte ich sogar am Abend Belen noch mit diversen Dingen über ihren Heimatort überraschen. Wer weiß schließlich auch schon, dass mitten in der Innenstadt, zwischen all den Hochhäusern ein kleines Wohnhaus steht? Was mit der Leiche von Evita geschah? Oder mit welchen Handzeichen die alten Argentinier kommunizieren? 

Die restlichen Touristenpunkte klapperten Carina und ich selbstständig ab. Jeden Tag gab es also ein neues Ziel und das meistens ohne richten Plan :)

Recoleta, das wohl eleganteste und teuerste Wohnviertel der Stadt, das vor allem durch seinen Friedhof bekannt ist da hier Evita und andere Persönlichkeiten begraben liegen. Der komplette Friedhof gleicht einem Dorf, da die Gräber teilweise größer sind als Wohnhäuser in Bolivien. 

Palermo, der größte Stadtteil der Hauptstadt hat eine Menge zu bieten, vor allem Parks und Shoppingstraßen. Da ich an einem Tag fast 14km durch diese gelaufen bin, kenn ich nun schon so manche Ecke und kann sagen, dass der botanische Garten keine Reise wert ist :) In der Ave. Santa Fe kann man jedoch umso länger Zeit verbringen, jedes Schaufenster verleitet einen einfach zum Eintreten!  Aber über den Stadtteil werde ich bestimmt noch einmal berichten, da er außerdem ziemlich berüchtigt für seine Partyszene ist.

San Telmo, hier findet jeden Sonntag ein großer offener Markt statt. Über 2km ziehen sich die Stände an denen Antiquitäten, Souvenirs und Kleidung verkauft wird. Für jeden ist was dabei. Damit man auch wirklich den ganzen Tag dort verbringen kann versorgen einen die laufenden Händler mit leckeren Empanadas, gebrannten Mandeln oder verschiedenen gefüllten Broten. Durch viele Gaukler und die Tangoshows an jeder Ecke wird man zusätzlich aufgehalten und so lässt sich bei schönem Wetter ein ganzer Tag verbummeln!

La Boca, bekannt durch die vielfarbigen Häuser. Dies stammt wohl noch alten Zeiten in denen die übrig gebliebene Farbe der Fischerboote für die Häuser verwendet wurde. Da die Reste nie komplett ausreichten, strichen sie einfach jedes Teil anders an. Genauer gesagt ist La Boca aber eins der ärmsten Viertel und sollte nie allein betreten werden. Ausnahme sind nur die 2 Touristenstraßen die mit Restaurants und Shops gesäumt sind. 


Puerto Madera, der Hafenabschnitt zieht sich ziemlich lang und ist meines Erachtens eher unspektakulär. Wenig grün und dafür viele Hochbauten lassen das ganze eher kühl erscheinen. Vielleicht kam es mir aber auch nur so vor, da ich mich hier mitten im Winter befinde – bei sage und schreibe 20°C. 

Wie ihr bemerkt hat die Stadt am Rio de la Plata so einiges zu bieten…und das war noch nicht einmal alles. Doch eine Woche bleibt mir noch um den ein oder anderen interessanten Ort zu entdecken!

Nachdem ich nun auch wieder ins Hostel gezogen bin, kann ich viel mehr ablaufen und bin näher am Geschehen. Doch auch Belen werde ich die nächsten Tage noch einmal besuchen oder zum Essen treffen. Der einizige Nachteil hier…die Uhrzeiten! Irgendwie haben die Argentinier ein anderes Zeitsystem. 
Das größte Problem ist für mich das Abendessen. Vor 11 Uhr abends/nachts geht hier nichts.  Und selbst dann wird sich Zeit gelassen. Kein Wunder das sie dann auch erst gegen 2 oder 3 Uhr nachts losziehen um Party zu machen…diese enden natürlich nie vor 7Uhr –bravo! Aber meine Erfahrungen dazu kommen gesondert im 2. Buenos Aires Eintrag, schließlich bleiben mir noch einige Nächte um diese Kultur genau zu studieren :) Ich mache das nämlich alles nur um euch dann auch die Eigenarten jedes Landes weiterzuleiten.